Zum Inhalt springen
Pipfold

Aus Klappenspiel wird pipfold — und was der Name vier Wochen später gekostet hat

· marke · auslieferung

Das Spiel hiess drei Tage lang Klappenspiel. Das ist ein guter deutscher Name für ein Ding, das auf Deutsch so heisst — und ein unmöglicher Name für alles ausserhalb des deutschen Sprachraums. Shut the Box steht in englischsprachigen Kneipen, in französischen Fischerdörfern und auf italienischen Küchentischen. „Klappenspiel“ sagt dort niemandem etwas.

Der neue Name

pip ist das englische Wort für das Würfelauge. fold ist das Umlegen der Klappe — und ein fold ist zugleich ein Gehege, der Ort, an dem etwas gehalten wird. Ein Kasten, in dem die Augen gehalten werden.

Geprüft wurde mit platform/mana/scripts/namen/pruefe.mjs über alle drei Stufen: .com frei, App Store DE und US frei, Websuche leer. .app und .ch ebenfalls frei.

„Websuche leer“ ist dabei die Angabe, auf die es ankommt — und sie ist zweischneidig. Dazu weiter unten mehr.

Die Paket-ID wurde gewechselt, obwohl das teuer war

how.mana.klappenspielhow.mana.pipfold. Das ist bewusst gegen den bequemen Weg entschieden. Für F-Droid ist das damit eine eigene App: wer Klappenspiel installiert hat, bekommt kein Update, sondern gar nichts. Der alte Eintrag bleibt im Repo stehen und verweist in seiner Beschreibung auf den Nachfolger.

Die Alternative wäre gewesen, die alte ID zu behalten und nur den Anzeigenamen zu ändern. Dann hätten Nutzer ein Update auf eine App bekommen, die plötzlich anders heisst — und im System wäre auf Jahre ein Bezeichner stehengeblieben, der eine Entscheidung von drei Tagen konserviert. Der Signaturschlüssel bleibt derselbe, der Zertifikats-Fingerabdruck ist unverändert.

Fast verloren: die Spielstände

Godot leitet den Pfad für Nutzerdaten aus config/name ab. Wer die App umbenennt, benennt damit den Ordner um, in dem Statistik, Einstellungen und die laufende Runde liegen. Und in diesem Fall trugen zusätzlich die Dateinamen den alten Namen.

Beides ändert sich in derselben Sekunde. Ohne Gegenmassnahme startet die App nach dem Update in einem leeren Ordner und meldet fröhlich „0 Runden gespielt“.

_migriere_userdaten übernimmt jetzt aus zwei alten Ordnern (Klappenspiel und klappenspiel — Godot war da nicht konsequent) und bildet die alten Dateinamen auf die neuen ab, auch innerhalb desselben Ordners. An echten Daten geprüft: 13 Runden und die beste Runde 8 waren nach dem ersten Start unverändert da.

Eine Prüfung hält die Übernahme-Tabelle vollständig — damit eine vierte Speicherdatei später nicht stillschweigend liegen bleibt.

Nebenbefund, der ohne die Umbenennung nie aufgefallen wäre: tools/schuesse.sh sicherte die Spielstände vor jedem Render-Lauf in einen Ordner, den es gar nicht gab — app_userdata/klappenspiel statt Klappenspiel. Die Sicherung lief seit dem ersten Tag ins Leere und hat nie geklagt. Ein mkdir -p auf einen falschen Pfad legt bereitwillig einen falschen Ordner an.

Und dann, vier Wochen später

Am 23. August wurde zum ersten Mal die Suchnachfrage der Fläche gemessen. Das Ergebnis für pipfold.com über 88 Tage:

0 Impressionen · 0 Klicks · 0 Tage mit Daten

Bei acht von acht indexierten Seiten. Google kannte die Seite, zeigte sie aber niemandem, weil niemand nach etwas suchte, wofür sie stand.

„Websuche leer“ ist beim Namensprüfen genau die Eigenschaft, die man haben will: niemand belegt den Begriff, die Marke gehört einem allein. Dieselbe Eigenschaft heisst aus der anderen Richtung gelesen: es gibt keine Nachfrage. Ein erfundenes Wort hat null Suchvolumen — das ist keine Nebenwirkung der Entscheidung, das ist ihre Kehrseite, und sie ist unvermeidlich.

Der Fehler lag also nicht im Namen, sondern darin, was die Seite mit ihm tat. Sie stellte ihn nach vorn. Der <title> lautete „Pipfold — Shut the Box, als Holzkasten“, die H1 „Neun Klappen, zwei Würfel.“ — und „Shut the Box“ stand im gesamten sichtbaren Text kein einziges Mal.

Die Korrektur ist nicht, den Namen zu bereuen. Sie ist, ihn nach hinten zu stellen: der gesuchte Begriff gehört an den Anfang der Zeile, die Marke ans Ende. Was das im Einzelnen hiess, steht im Eintrag vom 23. August.

Ein guter Markenname und ein guter Suchbegriff sind zwei verschiedene Dinge, und man braucht beide — an verschiedenen Stellen derselben Seite.

← Devlog